Editorial – Liebe Leserin, lieber Leser,

vor zehn Jahren erschien die erste Ausgabe von Esskapaden

Zehn Jahre, in denen wir Sie gerne an unseren kleinen Gourmettouren teilnehmen ließen, Ihnen die Anregungen unserer GesprächspartnerInnen für Ihren gastronomischen Alltag weitergereicht und selbst auch jede Menge gelernt haben. Dabei sind wir und der plärrer-Verlag ein kleines Wagnis eingegangen: In einer Zeit, in der beinahe jede Zeitung oder Zeitschrift sich gnadenlos dem Diktat eines neuen Outfits unterworfen hat, sind die Esskapaden – bis auf wenige Änderungen – ihren, von der Grafikerin des plärrer, Eva Meyer, entworfenen und bis heute liebevoll weiterentwickelten, schönen »Kleidern« treu geblieben. »Leicht« gemacht hat Eva Meyer diese Entscheidung sicherlich auch die unverwechselbare Handschrift unseres Fotografen Mile Cindric, der ebenfalls von Anfang an das Gesicht der Esskapaden geprägt hat. Genauso wie die große Zahl der AutorInnen, die immer versucht haben, die »Geheimnisse« der fränkischen Küche und Gastroszene zu lüften und auf appetitliche Weise zu präsentieren.

Dabei haben wir neue Rubriken eingeführt, andere verworfen und damit – gewollt und ungewollt – immer auch ein Stück weit die Veränderungen der Gastroszene im Großraum dokumentiert: Dazu gehört das Aufkommen einer Barkultur genauso wie der Trend zum schnellen Essen in der gehobenen Gastronomie oder der Ein- und Siegeszug der asiatischen (Gar- )Küche, aber auch die Wiedergeburt der »Feinkostläden«. Von alldem hat das Esskapaden-Team auch in diesem Heft wieder gelungene und weniger gelungene Beispiele in den Gastrobesprechungen versammelt. Die AutorInnen haben sich stets bemüht, ein eigenes Urteil zu bilden – auch, wenn es hie und da nicht immer deckungsgleich mit dem war, was der eine oder andere Leser geschmeckt, gesehen oder erfahren hat.

In dieser Ausgabe der Esskapaden beschäftigen wir uns ausführlich mit allem, was Flossen hat, fränkische Teiche, Flüsse und Seen bewohnt und nach der fachmännischen Zubereitung genussvoll verspeist werden kann: (Gras-)Karpfen, Aal, Zander, Forelle, Wels und Hecht hat Herbert Heinzelmann besucht. Damit der Fisch und andere Speisen so richtig gelingen, zog es ihn auch zum fränkischen »König« der Gewürze, Ingo Holland in Klingenberg. Einer, der sicher weiß, wie Fisch & Gewürz(e) bestens zusammenpassen, ist Michael Philipp, Sterne-Koch in Sommerhausen, dem Richard Wolny sein Ohr lieh. Wer dazu einen ordentlichen Tropfen schätzt, dem sei der »goldgelbe Trüffel« des fränkischen Hausgartens empfohlen. Aus der Quitte, wird in Untereisenheim im Eichenfass ein hervorragender Obstwein gekeltert. Wer’s lieber mit dem Getränk der Franken hält, bekommt sicher beste Anregungen für den nächsten Ausflug mit der Geschichte von Thomas Susemihl über die fränkischen Brauerinnen auf dem 5-Seidla-Weg rund um Gräfenberg. Leichten, kernigen Genuss bietet Ihnen dagegen Ute Maucher an. Sie hat Familie Schell im Kammersteiner Land besucht und dort deren Kürbiskern- Produkte probiert – egal, ob in dunkle oder weiße Schokolade gehüllt oder einfach pur oder als Öl. Und last but not least stellt Ihnen Anja Schiffel die Demeterbauern Birgit und Tom Bertelhofer vor, die mit ihren nach streng biologischen Kriterien angebauten Früchtchen ihre Kunden seit Jahren begeistern.

Wie auch in den vorangegangenen Ausgaben finden Sie einen ausführlichen Besprechungsteil von Restaurants, Cafés und Bars im Großraum. In einigen Rubriken haben wir zusätzlich noch Kurzbesprechungen untergebracht, damit Sie das Restaurant Ihrer Wahl besser finden. Dazu kommt ein Kapitel mit Einkaufstipps für Wein, Fisch, kandierte Früchtchen und andere Leckereien.

Liebe Leserinnen und Leser, wir hoffen, dass wir Ihnen mit Esskapaden 2009/2010 wertvolle Tipps und viele kulinarische Anregungen geben können. Und bleiben Sie uns bitte auch (mindestens) die nächsten zehn Jahre treu!

Rainer Büschel (Chefredakteur)