Der Name verheißt Zuflucht, Rückzug, Ruhe. All das bedeutet das Wort Refugium, wenn man es aus dem Lateinischen übersetzt. Der
Gastraum des Restaurants ist dazu angetan, die Versprechungen zu erfüllen. Ein Gewölbe aus Jugendstil-Tagen ist dezent ausgeleuchtet.
Viele Kerzen brennen und betonen Hell-Dunkel-Kontraste. Die Tische sind schwarz, quadratisch, können schnell neu gruppiert werden.
Bequeme Sessel drum herum. Der Gast wird sehr freundlich begrüßt. Die Speisekarte nimmt ihm die Schrecken allzu gesalzener
Preise. Es gibt zwar Gerichte für um die 20 Euro, doch Vorspeisen bewegen sich in der Höhe von acht Euro, Nudelgerichte sind für rund
zehn Euro zu bekommen und Nachspeisen für sechs Euro. Ein Dreigang-Menü kann sich der Gast aus allen Offerten für den Preis von
30,30 Euro selbst zusammenstellen. Das ist der Pfiff der Angebotspalette. Das Refugium ist ein Traum, den sich Heike und Jan Werner
erfüllt haben. Sie sind in Gastronomie geübt und setzen hauptsächlich auf regionale Produkte. Einiges auf der Karte kommt aus eigenem
Anbau, anderes aus der unmittelbaren Nachbarschaft. Vom fränkischen Eichelschwein zum Beispiel luftgetrockneter Schinken, der
so schmeckt, als wäre er aus einem Land am Mittelmeer. Im Winter steht lauwarmer Ziegenkäse mit Linsensalat zur Bestellung, sehr
pikant durch ein unterlegtes Confit aus (eigenangebauten) Äpfeln und Quitten. Perfekt ist das Ochsenschwanzragout, gebunden mit
Hagebuttenmark, mit Tagliatelle. Zwischen Winter und Frühling gab es Klagen, die Karte sei zu statisch. Dann jedoch zogen die Schätze
der neuen Jahreszeit ein. Bärlauch und Spargel kamen auf der Karte dazu. Nur die Pläne mit dem Gartencafé kamen nicht recht in die
Gänge. Man kann sich trösten mit einem Weinsortiment (um fünf Euro für 0,2 l), das den Akzent auf Franken legt, den Blick aber
zugleich auf andere Regionen hebt und von einem geschmackssicheren Gaumen geprüft worden ist.
Herbert Heinzelmann
Tel. 0911/ 9 291 99 61, Nürnberg, Rieterstraße 15,
Mo - Fr: 12 - 14.30 Uhr und 18 - 24 Uhr, Sa/So: ab 18 Uhr