Stadtentdeckungen

Gostenhof Nürnberg

Interessante Läden und lauschige Plätze in Nürnberg Teil XVII:

In dieser plärrer-Artikelserie werden originelle Läden, lauschige Plätze und sehenswerte architektonische Bauten in diversen Stadtteilen vorgestellt, die zum Erforschen, Entdecken und Genießen einladen.

Gostenhof wurde erstmals im frühen 14. Jahrhundert erwähnt. Hier gab es viele Gasthäuser und ein Gros der Bewohner waren Juden. Vom mittelalterlichen Gostenhof ist nichts mehr übrig. Schuld hieran sind die beiden Markgrafenkriege. 1825 wurde Gostenhof eingemeindet. Nürnberg war über viele Jahrzehnte hinweg das Zentrum der deutschen Zweiradindustrie. Die wichtigsten Firmen wie Mars, Hercules, Triumph oder Victoria residierten entlang der Fürther Straße. Längst Vergangenheit, wie auch der Spielwarenproduzent Schuco. Nach dem 2. Weltkrieg galt der Stadtteil lange als »Glasscherbenviertel«. Es gab Großfamilienwohnungen mit Etagenklo und viele sogenannte Zugänger. Männliche Singles, die zwischen sechs Uhr abends und sechs Uhr morgens in den Küchen hausen durften. Spekulanten vermieteten heruntergewirtschaftete Wohnungen für teures Geld an Gastarbeiter. Dies brachte eine hohe Fluktuation der Bewohner mit sich. 1977 kam der Wendepunkt. Damals traf sich eine Bürgerinitiative in der »Planungskneipe« Kernstraße Ecke Volprechtstraße. Die Lokalität gibt es erst seit kurzem nicht mehr. Die Bürgerinitiative zeichnete auch verantwortlich dafür, dass in Gostenhof die ersten Spielstraßen in ganz Deutschland installiert wurden.

Laurentiu Feller ist ein Galerist aus Leidenschaft. In der Knauerstraße 3 betreibt er den »raum für zeitgenössische kunst«. Hier haben unter anderem bisher Harri Schemm, Ramon de Jesus und Christian Vittinghoff ausgestellt. Außerdem veranstaltet Feller auch den »supermART« vom 27. bis 25. Mai Auf AEG / Halle 15 in Nürnberg. Die dreitägige Veranstaltung vereint Bildende Kunst, Musik und Mode. Der »supermART« hat sich zu einem der größten Kunstevents im Raum Nürnberg entwickelt.

Wer Bücher liebt, macht hier gerne Halt: Literarische Feinkost bietet die Gostenhofer Buchhandlung in der Eberhardshofstraße. Ausgewählte Bände in liebevoller Ausstattung oder Belletristik abseits vom Mainstream laden zum Betrachten und Hineinstöbern ein. Kleinere, unabhängige Verlage werden präsentiert, und ebenso die Büchergilde Gutenberg, exklusiv für den Nürnberger Raum. Wer schöne Abende verbringen möchte, lässt sich auf einer kulinarischen Lesung im gegenüberliegenden Buchcafé inspirieren und verwöhnen.

Der Bioladen VollKern 36 achtet bei der Auswahl der Lieferanten auf kurze Wege, sowie regionale, saisonal produzierte, hochwertige und frische Bio-Produkte direkt vom Erzeuger. Bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel hat der Kunde die Gewissheit, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern und Beschäftigten durch Fairtrade-Preise und -Prämie verbessert werden. Die Snacktheke bietet täglich frisch zubereitete Sandwiches, Rahmfladen, Pizza-und Spinattaschen sowie Kaffee und Kuchen.

Das Gostner Hoftheater wurde bereits 1979 gegründet. Es werden überwiegend Stücke zeitgenössischer Autoren, aber auch moderne Bearbeitungen von Klassikern gezeigt, zudem haben andere Theatergruppen der Freien Szene Nürnbergs Gelegenheit, ihre Produktionen vorzustellen. Längst kann die ursprünglich als Werkstatttheater konzipierte Bühne eigene Produktionen mit professionellen Schauspielern und Regisseuren präsentieren. Inzwischen hat sich das Gostner neben dem Staatstheater Nürnberg als wichtige Theater-Spielstätte etabliert.

Text: Thomas Susemihl
Fotos: Mathias Trzcinski, Laurentiu Feller