Stadtentdeckungen

Rund um den Nürnberger Jakobsplatz – zweiter Besuch

Interessante Läden und lauschige Plätze in Nürnberg Teil XIV:

In dieser plärrer-Artikelserie werden originelle Läden, lauschige Plätze und sehenswerte architektonische Bauten in diversen Stadtteilen vorgestellt, die zum Erforschen, Entdecken und Genießen einladen.

Jakob ist nicht nur der Schutzpatron der Pilger, Strumpfwirker, Wachszieher, Kettenschmiede und Drogisten, nach ihm sind weltweit die meisten Kirchen benannt. So auch die Jakobskirche hinter dem Weißen Turm. Einmal pro Jahr bestand die Möglichkeit, einen vollständigen Ablass aller auf einem lastenden zeitlichen Sündenstrafen zu erwerben. Und wer Geld hatte und eher lauffaul veranlagt war, der ließ pilgern. Es gab noch eine andere Variante, die lautete: Strafpilgern. Statt in den Knast per pedes zum Jakobus Grab. Darunter verstand man einst wohl einen alternativen Strafvollzug. Ab Nürnberg kann man unter mehreren Teilstücken des Jakobsweges wählen. Von der Jakobskirche aus kommt der Wanderer durch Stein-Oberweihersbuch, Roßtal und Heilsbronn. Was die christliche Mythologie nicht verschweigt: Jakob soll ein rechter Schreihals gewesen sein. Deshalb soll Jesus ihn und seinen ähnlich gearteten Bruder Johannes auch »Donnersöhne« genannt haben.

Das horizontale Gewerbe ist seit jeher im Jakobsviertel angesiedelt. Rotlicht und Legende vereint der ritterliche Sänger Tannhäuser, der in der Jakobskirche begraben sein soll. Eigentlich hieß der Mann Sigiboto de Tanhusen und galt als strammer Puffgänger. Eine schwere Sünde. Tannhäuser pilgerte nach Rom, um dort vom Papst Vergebung zu erhalten. Doch der verwies den Minnesänger an die allerhöchste Stelle. Und wirklich, so heißt es, der Ritter wurde erhört und sein alter Pilgerstab fing an zu grünen und zu blühen. Echt oder Erfindung: der Diddlasbadscher und der Gässlasgeicher. Letzterer ist kein Musiker, sondern einer der zum »geichen« (Geschlechtsverkehr haben) dunkle Gassen aufsucht. Mit diesen Figuren wollte man wohl junge Mädchen warnen. In der Jakobstraße war einst das Lokal »Zum Walfisch« beheimatet. Der Wirt Ludwig Hess brachte Künstler und Schauspieler in sein Gasthaus. Selbst Charlie Chaplin soll dort aufgetreten sein.

In der Jakobstraße steht auch seit 40 Jahren Norbert Walden hinter seinem Tresen: Der Nürnberger Pate aller Plattensammler. »music-andbooks« heißt das Dorado für Vinyl affine, egal ob diese jetzt auf Rock ‚n‘ Roll, Blues, Jazz, Country oder Krautrock stehen. Die kompetente Beratung gibt gerne Tipps und stellt Raritäten vor. Diese kann der Kunde mit Kopfhörer dann ausgiebig auf Herz und Nieren testen.

Neben gebrauchten CDs und DVDs/Blu-rays bietet der Laden auch einen großen Fundus an Büchern, Comics und Konsolenspielen.

»Das Steichele« ist nur einen Steinwurf entfernt. Der Familienbetrieb ist seit 1897 in einem historischen Lokal aus der Gründerzeit beheimatet und im Garten oder in der Weinstube serviert man traditionell fränkische und leichte Küche. Die verarbeiteten Produkte kommen von ausgewählten Lieferanten und Herstellern aus der direkten Umgebung, so wird Frische und Reinheit garantiert. Ausgesuchte Weine aus dem fränkischen Umland, hervorragende Tropfen aus Südtirol und dem Staatsweingut Rheinland-Pfalz sowie aus dem eigenen Anbau können probiert und erworben werden. Seit 2013 wird »Das Steichele« im Slow Food Genussführer ausgezeichnet.

Text: Thomas Susemihl, Fotos: Mathias Trzcinski

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