Mit wehendem Helmbusch reitet der Ritter in schimmernder Rüstung zum Turnier, um die Minne der edlen Frau zu erringen, die auf den Zinnen der Burg, die auf hohem Felsen dräut, des geharnischten Helden harrt. Ein romantisch verklärter, vor allem im deutschen Historismus des 19. Jahrhundert in der Literatur, in der Kunst und nicht zuletzt in der Musik Richard Wagners genährter Mythos, der mit dem mittelalterlichen Leben auf der Burg nur wenig zu tun hatte. Jetzt räumt eine Berlin-Nürnberger Doppelausstellung mit solchen Vorstellungen auf - und entzaubert den "Mythos Burg". Fast.
"Mythos Burg" - bis 7. November: Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Kartäusergasse 1.Di-So: 10-18 Uhr, Mi bis 21 Uhr. Katalog, 465 S., 25 Euro. Weitere Informationen:

www.mythosburg.de
"Burg und Herrschaft" bis 24. Oktober. Deutsches Historisches Museum Berlin, Unter den Linden 2 -Katalog 20 Euro. Weitere Informationen:

www.dhm.de/ausstellungen/burg-und-herrschaft
Im neuen "Kunstpalais"
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"Guerre en forme" |
"Raum" ist in seinen politischen Konnotationen ein sehr fataler Begriff, denn die Deutschen glaubten ja mit Hitler, sie seien ein "Volk ohne Raum", und überzogen die Lebensräume ringsum mit "totalem Krieg". "Guerre en forme" ist ein alter militärischer Begriff, der eine Art "Raumordnung" für Kriege vorsah: einzuhaltende Regeln für beide Parteien auf abgegrenzten Schlachtfeldern. Das Kunst-Partner-Duo Dellbrügge & de Moll dreht diesen Begriff um und befragt öffentlich vorgeordnete Räume, wie man mit ihnen anders, nämlich menschenfreundlicher, umgehen, sie nutzen kann. Es geht also um nicht kriegerische Neu-Besetzung von solchen in der Regel urbanen Räumen, sondern um innovative, alternative Varianten - unter aktiver Beteiligung der spekulationsfreien Interessenten.
"guerre en forme" - , Dellbrügge & de Moll, Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 5. August 2010, 19 Uhr
Kunstpalais, 6. August bis 26. September 2010, Erlangen, Palais Stutterheim, Marktplatz 1, vom 5.8. (V.: 19 Uhr) bis 26.9.:
T. 09131-86 27 35
Ein ungewöhnlicher "Reise"-Führer
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"Pastfinder - Nürnberg im III. Reich" |
Maik Kopleck, Grafiker und Verleger dieses Stadtführers, hatte folgende Idee: einen Reiseführer namens "PastFinder" produzieren, der sich ausschließlich der Zeit im III. Reich bzw. den Relikten davon widmet. Die Nürnberger Ausgabe schrieb Robert Kuhn (1937 in Fürth geboren), Jurist, Zeitgeschichtler und Sachbuchautor. Das Handbuch ist übersichtlich strukturiert und doch knallvoll mit Kurz-Infos und Illustrationen. Zu Kapitelbeginn ist jeweils eine Übersichtskarte abgedruckt, Stichworte bzw. Themen sind etwa das Reichsparteitagsgelände, die Nürnberger Prozesse, insgesamt ein nützliches Handbuch, das Basiswissen vermittelt, in den Fakten sachlich bleibt und einer Nazi-Horror-Picture-Show in der Aufmachung knapp entgeht.
"Pastfinder - Nürnberg im III. Reich", Pastfinder im Maik Kopleck Verlag 2010, übrigens auch in Englisch, 144 Seiten, 14,90 Euro br>

www.pastfinder.de
Außerdem im Heft:
- Im Sand! Die Werke der Karla Black in der Kunsthalle
- Die Kunst-Monster tanzen! "Grusinische Tänzer" im Neuen Museum
- "Das Theaterprojekt" aus Nürnberg in der "Fertigungshalle" mit "Norway. Today" von Igor Bauersima
- Shakespeares "Julius Cäsar" als Freiluft-Spektakel!
- Jenseits vom Lebkuchen! Nürnberg auf dem Weg zur "Fairtrade-Stadt"
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