| Das Geld & die Freunde
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Schlötterer: "Macht und Missbrauch" |

Wilhelm Schlötterer, Jahrgang 1939, Jurist, seit 30 Jahren CSU-Mitglied, ab 1974 zuständig für Steuerfragen im Münchner Finanzministerium, ab 1998 Generalbevollmächtigter der "Landeswohnungs- und Städtebaugesellschaft", inzwischen pensioniert. Nicht unbedingt Daten für jemanden, der sich mit CSU-Heiligtümern anlegen würde. Schlötterer tut es. Er widersetzte sich schon zu jenen Zeiten, als er im "Auge des Hurrikans" saß und aus nächster Nähe die Folgen des "Strauß-Netzwerks", etwa am Beispiel der "Amigo"-Affäre, erleben durfte. Franz Josef Strauß ist die "Ikone" für rücksichtslosen Machtgebrauch, wobei er zugleich voller Rücksicht war, wenn es um die finanziellen und sonstigen Interessen seiner privaten Freundschaften ging. Schlötterer schreibt "sachlich", ungeschwätzig, akribisch, aber nicht pedantisch. Sehr schön etwa die präzise Schilderung etwa der "Waffenarsenals" und der "Schutzschilde" eines bayerischen Politikers: "Macht und Missbrauch" ist ein Lehrbuch über Politik in Bayern.
Wilhelm Schlötterer: "Macht und Missbrauch", Fackelträger Verlag 2009, 412 Seiten
| Pfeife! Oder doch nicht? |
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"Kunst für Einsteiger"
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Es gibt inzwischen ein wirklich atemberaubendes Kunstkatalogkauderwelsch, dem sich eigentlich kein einziger ernsthafter Künstler unterwerfen sollte, aber das gehört zu den rundum akzeptierten Spielregeln heutiger Kunstvermittlung. Wie ahnungslos also muss ein Kunstneulandbesucher sein, um so ein Buch zu brauchen? Ziemlich sehr! Und dennoch: Das Wissen um Zeit & Umstände, in denen Kunstwerke entstanden sind, schadet dem Verstand gewiss nicht. Und ein paar Grundlagen in Sachen Stile, Techniken und Kunstmarktwesen müssen keineswegs die Wahrnehmung von Kunst behindern, wenn sie so unprätenziös, knapp und witzig vorgetragen werden wie in diesem Einsteiger-Buch. Wieso also ist Magrittes Pfeife keine Pfeife? Oder da wird etwa Renoir zitiert, der gesagt haben soll, ohne die Erfindung der Metalltube für Ölfarben hätte es keine Malerei im Freien - und damit nicht den Impressionismus - gegeben. Gut gelogen!
"Kunst für Einsteiger" von Rolf Schlenker & Simone Reuter, Belser Verlag 2009, 170 Seiten, zahlreiche farbige Abbildungen, 19,95 Euro
| Sinn & Sinnlichkeit |
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Uwe Timm im "Literaturhaus"
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Ein Glücksfall für die deutsche Literatur: Uwe Timm, gelernter Kürschner aus Hamburg, der Germanistik und Philosophie studierte, bei der Besetzung der Münchner Uni mitwirkte, politische Agitationstexte verfasste und später ein Soziologie- & Volkswirtschaftsstudium draufsetzte. Mit der "Entdeckung der Currywurst" schaffte er den Spagat zwischen zeithistorischer Perspektive und anschaulich geschriebener Liebes-Novelle, mit Kinderromanen wie "Rennschwein Rudi Rüssel" kam er bei einer ganz anderen Leserschaft an. Jetzt wird er siebzig Jahre alt. Zeit für Rückblicke in eigener Sache? Jein! Statt einer Autobiographie, die Uwe Timm nicht schreiben will, gibt sein Verlag eine von Timm revidierte Sammlung mit Texten und Aufzeichnungen heraus, die sich auch als ein Stück Zeitgeschichte lesen lassen: "Am Beispiel eines Lebens"
Uwe Timm, "Von Anfang und Ende. Über die Lesbarkeit der Welt", 142 Seiten, Gebunden, Kiepenheuer & Witsch 2009, 16.95 Euro
Uwe Timm, "Am Beispiel eines Lebens", Kiepenheuer & Witsch 2010, 496 Seiten, 20,00 Euro
Am Donnerstag, 11.3.2010 um 20.00 Uhr, liest Uwe Timm im "Literaturhaus Nürnberg", Luitpoldstr. 6, aus den genannten Büchern
MordsLust von Thomas Wörtche im März 2010:
- James Ellroy: "Blut will fließen"
- Jim Nisbet: "Dunkler Gefährte"
- Olen Steinhauer: "Der Tourist"
- "Trokosi" von Kwei Quartey
- Jassy Mackenzie: "Todeskälte"
- Ray Bradburys "Fahrenheit 451": Tim Hamilton hat den Roman als graphic novel adaptiert
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