Film

Zwei Männer mit Zylinder

»Der junge Karl Marx« von Raoul Peck

Einen Streifen über den deutschen Vorzeige-Kommunisten, der von einem Regisseur aus Haiti gedreht wird? Raoul Peck hatte mit einer Dokumentation und einem Spielfilm über den linken Ministerpräsidenten des Belgisch-Kongo Patrice Lumumba seine Affinität zu politischen Freigeistern offenbart. Was zugegebenermaßen etwas konstruiert klingt, hat aber eine gewisse Richtigkeit. »Der junge Karl Marx« ist ein ausuferndes Biopic, das dem relativ unbeachteten Privatleben von Karl Marx seine Aufmerksamkeit widmet. 1844: Marx (August Diehl) lebt mit seiner Frau Jenny (Vicky Krieps) im Exil in Paris. Das Geld ist knapp, da lernt Marx den Fabrikantensohn Friedrich Engels (Stefan Konarske) kennen. Ab da heißt es: Zwei Männer mit Zylindern und Bärten gegen das kapitalistische Schweinesystem. Wer hier aber eine ausufernde theoretische Abhandlung des Marxismus erwartet, wird enttäuscht werden. Es geht höchstens um die Legung revolutionärer Grundlagen. Im Fokus steht vielmehr die Freundschaft zwischen Marx und Engels. Letzterer ist der ursprüngliche Revolutionär, denn Engels Vater besitzt eine Textilfabrik und beutet dort auch Dreikäsehochs aus. »Der junge Karl Marx« ist ein kluger und unaufgeregter Film, der mit guten Schauspielern und einigen Schauwerten überzeugen kann.

»Der junge Karl Marx«, D 2016; Regie: Raoul Peck ; Darsteller: August Diehl Vicky Krieps, Stefan Konarske, www.der-junge-karl-marx.de